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Irgendwann vor 1131 waren es wahrscheinlich wandernde Mönche, die missionierend vom Rhein her die Täler der Bröl und Sieg heraufzogen. Kleine christliche Zellen entstanden, aus denen nach und nach Kirchspiele wurden: Nümbrecht, Wiehl, Eckenhagen, Morsbach, Rosbach, Dattenfeld und Waldbröl.

 Nach alter Schreibweise hieß Waldbröl damals "Waltprogele", womit ein wald- und quellenreiches Gebiet bezeichnet wurde. 

Kirche 12. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der bis zum heutigen Tag in unserer Kirche benutzte Taufstein stammt nach maßgeblichem Urteil aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert.Der Turm dieser Kirche steht noch als Zeuge dieser frühen Zeit.   

 

 

 

 

 

 

Die älteste urkundliche Erwähnung des Kirchspieles Waldbröl trägt das Datum des 31. März 1131. In einer Urkunde hat Papst Innocenz II. dem Cassiusstift in Bonn seine alten Rechte an der Waldbröler Pfarrei bestätigt. Eine weitere Erwähnung unserer Gemeinde findet sich in einem Verzeichnis der Kölner Diözese, das um 1300 entstanden ist, und in dem die Einkünfte jeder Pfarrei zum Zweck der Berechnung des Zehnten aufgeführt sind.


Mit Anbruch der Reformation fällt wieder Licht in die kirchliche Vergangenheit Waldbröls. Während der Amtszeit Pfarrers Scheve (1662-1585) wird 1563 die evangelische Kirchenordnung durch die Grafen von Sayn-Wittgenstein in der Herrschaft Homburg, zu der damals auch Waldbröl gehörte, eingeführt. Eine Nachricht aus dem Jahre 1633 besagt, dass schon an die achzig Jahre die "Augsburgische Konfession im ganzen Kirchspiel bekannt worden" sei.

Katholisches Intermezzi
Im Juni 1604 werden Grenzstreitigkeiten zwischen dem Herzog von Jülich-Berg und dem Grafen von Sayn-Wittgenstein in einem Vergleich beseitigt. Dabei wird das Kirchspiel Waldbröl dem bergischen Amt Windeck zugeordnet. Infolge der neuen Herrschaft wird 1606 der evangelische Pfarrer Henricus Hirsch durch den Amtmann aus Windeck aus Waldbröl vertrieben. Zwischen 1605 und 1610 versuchen katholische Mönche aus dem Kloster Seligenthal ohne Erfolg und gegen den Willen der Gemeinde, diese wieder zum katholischen Glauben zu bewegen. Sie leistete Widerstand und feierte außerhalb des Kirchspiels Gottesdienst und Abendmahl. Infolge des festen Widerstandes der Gemeinde ließ sich die Reformation nicht mehr rückgängig machen. Nach vier Jahren mussten die alleingebliebenen Messpriester das Kirchspiel wieder verlassen. 1610 wird ein lutherischer Pastor, Johannes Scipio, in Waldbröl eingeführt.

Als spanische Soldaten ihn verjagen wollte, schützte ihn die Tatsache, dass er eine fürstliche Bestätigungsurkunde vorweisen konnte. So hat er bis zu seinem Tode 1631 seinen Dienst in Waldbröl versehen.

Nach Scipios Ableben wurde der Gemeinde vom Patron der Waldbröler Kirche, dem katholischen Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, ein katholischer Messpriester eingesetzt. Er hatte den bischöflichen Auftrag, die Gemeinde zum römischen Glauben zurückzuführen. Er bezog das Pfarrhaus und hielt in der Kirche sechzehn Jahre lang Predigt und Messopfer. Sein Anhang blieb aber gering. Die Evangelischen übten passiven Widerstand. Ihre Proteste beim kaiserlichen Notar zu Biberstein blieben ohne Erfolg.

Als er zu einer Vertretung längere Zeit von Waldbröl abwesend war, holten die Ältesten der Gemeinde "heimlich und schnell" aus dem Hessenland einen evangelischen Pfarrer namens Christophorus Esther, der im Advent 1646 seine Antrittspredigt hielt. Der ins Dorf zurückkehrende Priester fand die Kirche verschlossen und wagte keinen gewaltsamen Zutritt. Er verzichtet am 30.12.1646 gegen achzig Thaler auf das Pastorat und dankt am 4.3.1647 offiziell ab. In seinen Aufzeichnungen ist zu lesen, er habe "hochbeschwerliche Kriegs- und Pestzeiten durchstehen und bei allem guten Willen mit den meisten Leuten des Kirchspiels in Streit, Zank und Zwiespalt leben müssen". Der auf solche ungewöhnliche Weise von Dutenhofen bei Wetzlar nach Waldbröl gekommene Christophorus Esther ist von 1647-1682 Pfarrer unserer Gemeinde gewesen.

Die obrigkeitliche Anerkennung als Lutherische Kirchengemeinde
In seine Amtszeit fällt der „Religionsvergleich" vom 26.4.1672 zwischen dem Kurfürsten von Brandenburg und dem Herzog von Pfalz-Neuburg bringt die gesetzliche Anerkennung der Lutherischen Gemeinde Waldbröl. Dadurch fand sie Aufnahme in die Reihe der evangelischen Gemeinden, die "in dauerndem Besitz ihrer Kirchen, Schulen, Pfarrhöfe (Wiedenhöfe) und der Einkünfte aus ihrem Pfarrgut bleiben sollten". Seit diesen Tagen ist die Reihe der evangelischen Pfarrer in Waldbröl nicht mehr unterbrochen worden. Pfarrer Esther genoss als Inspektor (Superintendent) auch über die Grenzen des Kirchspiels hinaus großes Vertrauen. Er starb 1682 auf einer Dienstreise nach Berlin. Vorsorglich und dankbar wählte die Gemeinde den noch studierenden Sohn des Verstorbenen, obwohl sie noch vier Jahre auf seinen Dienstantritt warten musste. Dann wurde Burkhard Esther eingeführt und war 1686-1704 im Amt.

Entstehung der katholischen Kirchengemeinde
Während seiner Amtszeit erschien 1701 im Dorf der Missionspriester Matthias Hermesdorf aus Kömpel bei Morsbach und verlangte mit Nachdruck, aber wider das Recht den Zugang zur Kirche für römisch-katholischen Gottesdienst. Er hatte den bischöflichen Auftrag, das durch die Reformation verlorene Kirchspiel zum früheren Bekenntnis zurückzuführen. Als ihm das Gotteshaus verschlossen blieb, mietete er im Hillesheimschen Haus einen Raum, in dem er fortan regelmäßig predigte und Messe hielt. Durch eifrige Werbung im Ort und in der Umgebung erreichte er nach und nach, dass sich eine kleine katholische Gemeinde von etwa 200 Gliedern bildete, die schnell obrigkeitliche Anerkennung fand. Seit dieser Zeit gibt es in Waldbröl zwei christliche Gemeinden. Matthias Hermesdorf wurde der erste Pfarrer der neuerrichteten katholischen Gemeinde.

Kreuzestumult und Bau der katholischen Kirche:
Leider ließ der Ärger nicht auf sich warten. Die Katholiken versuchten 1703 mehrfach in unmittelbarer Nähe des um die evangelische Kirche liegenden Friedhofes, der auf obrigkeitliche Anordnung auch von der katholischen Gemeinde mitbenutzt wurde, ein steinernes Prozessionskreuz zu errichten.Nachbildung Prossesionskreuz Das duldeten die Evangelischen nicht. Nach kleineren Plänkeleien kam es bei einer Prozession am Sonntag nach Fronleichnam, bei der die Aufstellung des Kreuzes erzwungen werden sollte, und die darum unter militärischer Bedeckung stattfand, zu einem bedauerlichen Zusammenstoß, in dessen Verlauf es auf beiden Seiten Verwundete und auf evangelischer Seite zwei Tote gab.
Der katholische Landesherr in Düsseldorf verurteilte die evangelische Gemeinde zu längerer Zwangseinquartierung von drei Kompanien Soldaten (Dragonern), zu einer Geldstrafe von 3000 Reichsthalern sowie zur Aufrichtung des Kreuzes. Bis zur Aufbringung dieser Strafgelder sollten die Kirchenvorsteher in Haft gehalten werden. Sie wurden nach einiger Zeit gegen eine Bürgschaft von 500 Gulden entlassen. Bei allem Schmerzlichen dieser Ereignisse verdient es als erfreulich festgehalten zu werden, dass einundzwanzig evangelische Gemeinden des Bergischen Landes sich bereitwillig an der Aufbringung dieser für die damaligen Verhältnisse sehr hohen Summe beteiligten. Eine im Archiv der Gemeinde vorhandene Urkunde gibt davon Zeugnis. Die Strafsumme wurde zum Bau der 1706-1715 errichteten katholischen Kirche verwand.

Der Hiob unter Waldbröls Pfarrern
Nach Pfarrer Burkhard Esthers Tod (1704) wurde von 1705-1729 Henricus Wirth aus Odenspiel sein Nachfolger. Wenn man in der alten Chronik nachliest, möchte man ihn den Hiob unter unseren Pfarrern nennen. Er ist nur 53 Jahre alt geworden. Acht Jahre hat er schwer an den Folgen eines nächtlichen Überfalls leiden müssen. Diebe waren ins Pastorat eingedrungen und hatten ihm im Bett sechs fast tödliche Messerstiche beigebracht. Die Gemeinde bereitete ihm eine letzte Freude, indem sie den noch studierenden Sohn zum Nachfolger wählten. Der Sohn aber hat die Stelle nicht mehr antreten können. Er starb wenige Wochen nach dem Tode des schwer geprüften Vaters.

Weitere Streitereien
Unter Pastor Euteneuer (bis 1756) und später unter seinem Sohn (bis1769) kamen die konfessionellen Streitigkeiten nicht zur Ruhe. So geschah es, dass bei katholischen Prozessionen vorüberkommende evangelische Gemeindeglieder gezwungen wurden, den Hut abzunehmen. In der Chronik der Gemeinde wird berichtet: "Ja einmal - es war bei der Dreifaltigkeitsprozession 1739 verfolgten sogar zwei katholische Schultheißen die Evangelischen, trotzdem sie sich bescheiden zurückgehalten und den Hut abgenommen hatten, traktierten sie mit Stockschlägen und ließen sie von den herbeigerufenen kurfürstlichen Reitern mit bloßem Gewehr niederschlagen, so dass das Blut über die Straße niedergeflossen." Die diesmal eingereichte Klage der Evangelischen hatte Erfolg und die Behörde stellte sich auf ihre Seite und bestrafte die Schuldigen.

Es gab aber immer weiter Missstimmigkeiten. So ist eine Klageschrift vorhanden, in der sich die Evangelischen darüber beschweren, dass "vor fünf Jahren die katholische Missionskapelle widerrechtlich mit einem ordentlichen Turm und zweien Glocken versehen worden; dass jetziger katholischer Missionarius sich trotz des Verbotes untersteht, alle Zeremonien auf dem evangelischen Kirchhof zu machen öffentlich selbst während des lutherischen Gottesdienstes; sie bänden sich ferner mit ihrer Prozessionen nicht an Ort und Zeit, hielten freie Himmelpredigten, deren Inhalt genugsam bekannt sei und störten den Gottesdienst mit Schießen aus Böllern; sie maßten sich an, von allen Neujahrshafer zu fordern, welches nur einem evangelischen pastori zukäme und gebühre". Endlich führen die Evangelischen in ihrem Proteste "auch wieder Klage darüber, dass an dem hohen Gerichte zu Windeck gegen den Religionsvergleich vom Jahre 1672 nur katholische Schöffen, deren viele nicht einmal recht schreiben und lesen, zu geschweigen eine ordentliche Relation verfertigen könnten, säßen". Die Gemeinde Waldbröl will dabei nicht wie bisher übergangen sein, "da wir untrüglich in einer Gemeinde von beinahe 3000 Kommunikanten capable Subjekte genug haben".

 


Nach der Ära Euteneuer folgte die der Hoemanns. Der ältere war 45 Jahre Pastor unserer Gemeinde. Kurz vor seiner Einführung wurde Waldbröl am 27.4.1769 von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. An der Bitze beginnend, breitete sich das Feuer schnell aus und legte 29 Häuser und 13 Scheunen in Schutt und Asche. Nur die beiden Kirchen und sieben „meist schlechte Häuser" bleiben vom Brand verschont.

Im selben Jahr wird die Leitung der Evangelischen Kirchengemeinde auf kurfürstliche Anordnung einem Konsistorium (Gemeindekirchenrat) übertragen, das gleichzeitig die Aufsicht über die Schulen hat. Ab 1835 tritt das Presbyterium an die Stelle des Konsistoriums.

In Hoemanns Zeit wurde ein Haupthindernis für den konfessionellen Frieden aus dem Wege geräumt. Auf Verfügung „von seiner churfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz und Bayern" dürfen keine Kirchhöfe mehr in Ortschaften und Beerdigungen nicht mehr in Kirchen stattfinden. So bekamen 1804 beide Kirchengemeinden getrennte Friedhöfe: Die evangelische am Wiedenhof, die katholische an der Brölstraße.

1789 bekam unsere Gemeinde dann eine erste Orgel. Damals zählte die Gemeinde ungefähr 2668 Seelen und 1846 regelmäßige Abendmahlsgäste.
Nach mehreren Schlaganfällen war Pfarrer Hoemann in seiner Tätigkeit so behindert, dass ihm von 1800 an sein Sohn Friedrich Wilhelm als Pfarrgehilfe zur Seite gestellt werden musste.

Dem älteren Hoemann, der 1814 starb, folgte sein Sohn Friedrich Wilhelm ins Amt. Da er schon lange neben dem leidenden Vater tätig gewesen war, war ihm der Dienst in der Gemeinde wohl vertraut. Abgesehen von unwichtigeren Auseinandersetzungen ließen die konfessionellen Streitigkeiten allmählich nach. Es war die Zeit der Befreiungskriege. Der jüngere Hoemann scheint ein impulsiver Patriot gewesen zu sein. Als er öffentlich auf das Wohl des Kaisers Alexander von Russland trinkt, wird er von franzosenfreundlichen Leuten angezeigt und lange Zeit seines Amtes enthoben. Er ist nur 48 Jahre alt geworden.

Pfarrer Friedrich Nöll (1825-1830) (links) und Pfarrer Karl Wilhelm Bruch (1830-1847)

Nach seinem Tode (1824) wählte das Presbyterium den nassauischen Pfarrerssohn Karl Friedrich Nöll.

Er ist knapp fünf Jahre hier im Dienst gewesen. Dank seiner Begabung und seiner Tatkraft konnte er in guter Zusammenarbeit mit dem Presbyterium bedeutende Aufgaben lösen. Das alte baufällige Pfarrhaus musste abgerissen werden. In dreijähriger Bauzeit (1825-1828) erstand an der gleichen Stelle ein neues, das dritte seit der Reformation, das heute noch als "altes Pastorat am Wiedenhof" seinen Zweck erfüllt. Pfarrer Nöll hat auch die ersten Anregungen zum Neubau der Kirche gegeben. Sein Plan ist aber erst zehn Jahre später (1840) in Angriff genommen worden.
Kurz vor Pfarrer Nölls Weggang in die Gemeinde Mülheim am Rhein, beschloss das Presbyterium den Beitritt der Lutherischen Gemeinde Waldbröl zur Kirche der Union. Dieser Beschluss ist aber erst im Jahre 1833 in Kraft getreten. 

Die erledigte Pfarrstelle wurde noch im gleichen Jahr mit Pfarrer Karl Wilhelm Bruch aus Köln besetzt. In seiner Waldbröler Dienstzeit hat er neben seiner Tätigkeit als Prediger, Jugendlehrer und Seelsorger auch andere bedeutende Aufgaben erfüllt.
Der Neubau der Kirche war nicht mehr zu umgehen. Das rund 700 Jahre alte Kirchenschiff drohte einzustürzen und wurde deswegen im November 1837 polizeilich geschlossen. Am 29. Oktober des gleichen Jahres fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Die Gemeinde war in einer bedenklichen Notlage. Wo wollte sie während einer gewiss langen Bauzeit ihre Gottesdienste halten?
In ihrer Verlegenheit wandte sie sich an die katholische Kirchengemeinde. Dem  Einsatz des katholischen Pfarrers Scherkenbach, der um dieser Angelegenheit willen nach Köln reiste, ist es zu danken, dass die evangelische Gemeinde nach siebenwöchiger Unterbrechung zu Weihnachten 1837 wieder Gottesdienst - diesmal in der katholischen Kirche - halten konnte. Sechs Jahre war die evangelische Gemeinde dort zu Gast.

Sorge machte auch die Finanzierung des Kirchbaus. Eine schon zu Pfarrer Nölls Amtszeit in den evangelischen Gemeinden von Rheinland und Westfalen gesammelte Hauskollekte lag auf Zinsen. Sonst waren keinerlei Barmittel vorhanden. Mit einer Spende des preußischen Königs und auf Bewilligung auswärtiger Kollekten war zu rechnen. Unentgeltliche Hand- und Spanndienste waren zugesagt. Es verging aber viel  Zeit. Erst dreieinhalb Jahre nach der Schließung der Kirche konnte der Bau beginnen und am 21. Mai 1841 der Grundstein gelegt werden. 
Es wurde ein notvolles Bauen, weil die zugesagten Mittel nur zögernd eingingen. Die katholische Kirchengemeinde hatte damit nicht gerechnet und wurde ungeduldig. Das war verständlich, hatte sie doch sechs Jahre die Beschwernisse einer doppelten Benutzung ihres Gotteshauses zu tragen. Es blieb schließlich nichts anderes übrig, als sich mit einer notdürftigen Herrichtung des Rohbaues vorläufig zu begnügen. Die Einrichtung mit Notbänken und der Einbau der alten Kanzel war nur durch ein Darlehen von 500 Talern möglich, das die Zivilgemeinde Denklingen gab. So konnte endlich am 4. Advent 1843 in der katholischen Kirche der Dank- und Abschiedsgottesdienst gehalten werden, genau sechs Jahre nach dem ersten Gottesdienst im fremden Gotteshaus. Die beiden Weihnachtsfrühgottesdienste um 4.00 Uhr und um 6.00 Uhr vermochten die Menge der dankerfüllten Gemeinde kaum zu fassen. Die Chronik berichtet, dass mehr als 1800 Besucher das nur notdürftig hergerichtete Gotteshaus gefüllt haben.

Unsere Gemeinde hat damals der katholischen Gemeinde ein Dankgeschenk überreicht, nämlich einen silbernen, vergoldeten Abendmahlskelch mit der Inschrift: 

Der Kelch, das Dankesgeschenk an die katholische Schwestergemeinde und der Alte Turm am Abend

In dankbarer Anerkennung des vom 24. Dezember 1837 bis zum 24. Dezember 1843 gestatteten Mitgebrauchs der katholischen Kirche widmet diesen Kelch die evangelische Gemeinde zu Waldbröl der katholischen Gemeinde daselbst zu einem bleibenden Erinnerungszeichen an jene in Friede und Eintracht durchlebte Zeit". Nach den trüben Erfahrungen der beiden vorhergehenden Jahrhunderte zeigt dies alles, dass beide Gemeinden auch ganz anders neben- und miteinander leben und arbeiten konnten.

Die äußere Gestalt des Gotteshauses, in das die Gemeinde zu Weihnachten 1843 einzog, ist im wesentlichen bis auf den heutigen Tag fast unverändert geblieben. Ungewöhnlich sind die Maße des Kirchenschiffes: 32 x 18 m bei einer Höhe von 12 m.

Die betont schlichte Basilika wurde unmittelbar an den alten romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert angebaut. Ganz fertiggestellt wurde die Kirche erst zwölf Jahre später (12.März 1856), als schon Pfarrer Hollenberg im Amt war. So hat der Kirchbau, der mit der Schließung der Kirche 1837 begann, fast zwei Jahrzehnte gedauert. 

1847 verließ Pfarrer Bruch Waldbröl und übernahm eine Pfarrstelle in Minden (Westf.).


Seit 1848 begann in der Nachbargemeinde Nümbrecht mit dem zur Buße rufenden Pastor Thümmel eine nachhaltige geistliche Bewegung. Ihm folgte 1852 der  Erweckungsprediger Jakob Gerhard Engels, dessen Wirkung weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinausreichte. Einer seiner Hilfsprediger war Alfred Christlieb, der später als Pfarrer von Heidberg vielen Gemeinden und Gemeinschaftskreisen in ganz Deutschland bekannt wurde. Auch in Holpe wirkte seit 1848 im gleichen Sinn Pastor Stursberg, der unter dem Eindruck des Wuppertaler Erweckungspredigers Krummacher stand. So breitete sich die Erweckungsbewegung bei uns immer mehr von den Nachbarorten her aus.

Damals standen die Gemeinschaftsleute im Gegensatz zu maßgebenden Kreisen in der Gemeinde

Pfarrer SchölerDaher war es kein Zufall, dass 1847 der Nachfolger Pastor Bruchs, Gustav Adolf Schöler, ein Pfarrerssohn aus Drabenderhöhe, nicht einstimmig gewählt wurde. Einige Wähler hatten sich der Stimme enthalten, weil ihnen seine Einstellung nicht klar genug erschien. Mit dem Presbyterium hat er aber tatkräftig den Ausbau der Kirche vorangetrieben. Als für den 1852 scheidenden Pfarrer ein Nachfolger gewählt werden musste, hatte sich eine schon lange in der Gemeinde und im Kirchenvorstand umgehende Verstimmung weiter ausgedehnt und verschärft.

 

 

 

 

 

Pfarrer HollenbergSo kam es, dass die von einer Mehrheit beabsichtigte Wahl des Pfarrers Wilhelm Hollenberg auf ernste Schwierigkeiten stieß und wiederum nicht einstimmig geschehen konnte. Eine Minderheit im Presbyterium und ein großer und einflussreicher Kreis von Gemeindegliedern nahm Anstoß an der theologischen Haltung des vorgeschlagenen Kandidaten. Es gab Proteste, die erfolglos blieben. Pfarrer Hollenberg wurde 1853 gewählt und eingeführt.

 

 

 

 

 

 

 

Kirche innenSein und des Presbyteriums erstes Bemühen galt der  noch ausstehenden Fertigstellung des Kirchenraumes. Dieser bekam einen würdigen Altar und eine entsprechende Kanzel. Auch die Ausmalung wurde verbessert. So konnte, fünfzehn Jahre nach der Grundsteinlegung, am 12. März 1856 das Gotteshaus in aller Form eingeweiht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulklasse

Der besondere Verdienst Pfarrer Hollenbergs waren seine sozialen Bemühungen. Er ermunterte Bürgermeister und Gemeinderat zum Ausbau der mehrklassigen Volksschule im Ort und zur Errichtung einklassiger Schulen auf den Höfen. Sogar eine höhere Bürgerschule rief er ins Leben. Mit zwölf Schülern und Schülerinnen nahm sie 1861 in einem Raum bei Bäckermeister Hoemann ihren Anfang. Später wurde sie in die umgebaute Pfarrscheune neben dem Pastorat verlegt. Der Pfarrer gab selbst Unterricht, unterstützt von vorübergehend zugewiesenen Vikaren und Hilfspredigern sowie von seiner Tochter. Diese "Bürgerschule" war die Keimzelle der späteren Rektoratschule und des heutigen Hollenberg-Gymnasiums. 

 

 

 

 

 1873 wurde Pfarrer Hollenberg in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und seit 1887 war er Superintendent der Aggersynode. Sein Einfluss im öffentlichen Leben war sehr groß, und Waldbröl hat davon nicht geringen Vorteil gehabt. In Zusammenarbeit mit dem Waldbröler Arzt Sanitätsrat Dr. Venn hat Hollenberg im Jahre 1894 die Gründung der großen Heil- und Pflegeanstalt angeregt und tatkräftig gefördert. Sie ist jahrzehntelang ein Wahrzeichen Waldbröls gewesen. Hollenberg ist so bis heute die populärste Gestalt in der langen Reihe der evangelischen Pfarrer Waldbröls geblieben.

Allerdings gab es auch etwas, was seine Zeit in Waldbröl überschattete. Sein Verhältnis zur Erweckungsbewegung. Er stand abseits der neuen pietistisch geprägten Verkündigung. Wegen seiner Verwurzelung in der liberalen Theologie gelang es ihm nicht, eine Brücke zu den Gemeinschaftskreisen zu schlagen. Das alles war in zunehmendem Maße der Gemeinde zum Bewusstsein gekommen. Er wusste das und verhielt sich neutral ihnen gegenüber. Nur war das vielen zu wenig. In seiner Zeit wurde 1872 das Evangelische Vereinshaus am Markt eingeweiht, das heute der Evangelischen Kirche gehört und 1879 das Evangelische Vereinshaus Thierseifen. 1893 gründet sich der CVJM. 1899 hält Hollenberg seine Abschiedspredigt und zieht nach Bonn, wo er 1912 stirbt.

Vereinshaus in WaldbrölVereinshaus Thierseifen

 

 

 

 

 


Nach vielem Hin und Her wurde im Oktober 1899 mit 39 von 50 Stimmen der Hilfsprediger Friedrich Wilhelm Spieker Pfarrer Freidrich Wilhelm Spieker 1900-1910gewählt. Die elf unterlegenen Wähler verzögerten mit einem aussichtslosen Wahlprotest die Einführung bis in den März 1900.

Die Gemeinde war ihrem neuen Pfarrer schon bald von Herzen zugetan. Die Gottesdienste zeigten steigenden Besuch, und das Presbyterium war zur Mitarbeit bereit. Es lagen viele Aufgaben vor, die in den letzten Jahren versäumt waren. Der erste Friedhof, 1804 angelegt und 1864 und 1890 erweitert, war restlos belegt. Die Gemeinde kaufte gegenüber dem alten Pfarrhaus genügendes Gelände für den "neuen" Friedhof. Die alte Orgel wurde ersetzt. Ebenso die alte Turmuhr. 1903 brannte die alte Pfarrscheune restlos nieder. Sie war Hollenbergs Schulhaus gewesen und hier war auch der kirchliche Unterricht gehalten worden.
So blieb der Kirchengemeinde nichts anderes übrig, als 1905 an der Wiedenhofstraße ihr erstes Gemeindehaus mit zwei Sälen zu errichten. Hier wurden hinfort Bibelstunden und kirchlicher Unterricht gehalten. Auch die Vereine der Gemeinde wählten mit der Zeit die Räume des Gemeindehauses für ihre Veranstaltungen. Frau Spieker sammelte mehr als 300 Frauen zu einer Zweigstelle der Rheinischen Frauenhilfe. Außerdem wurde eine Gemeindeschwester berufen, die gegenüber dem Gemeindehaus, ihre Wohnung hatte. Seit 1907 war Hilfsprediger Wilhelm Goebel in der Gemeinde tätig. Einer Bitte des Presbyteriums, die Hilfspredigerstelle in eine zweite Pfarrstelle umzuwandeln, konnte die Kirchenleitung zunächst nicht entsprechen, weil die finanzielle Kraft der Gemeinde nicht ausreichend erschien.
Nach Abschluss so vieler gemeindlicher Aufgaben regte Pfarrer Spieker noch ein großes Werk an, für das Presbyterium und Repräsentation erst nach langen Verhandlungen gewonnen werden konnten, nämlich eine gründliche Überholung des Kirchengebäudes.

Wo viel Licht ist, da fehlen auch die Schatten nicht. Pfarrer Spieker war mit seiner Familie in der Gemeinde geschätzt und geachtet. Seine Gottesdienste waren gut besucht. Als Leiter der Rektoratsschule stand er auch über die kirchliche Arbeit hinaus im öffentlichen Leben. Aber es blieb nicht verborgen, dass der Pfarrer kein Anhänger der Gemeinschaftsbewegung war. Er trug die Abneigung dieser Kreise geduldig und war seinen Gegnern nicht gram. Auch zu Hilfsprediger Goebel, der sich des besonderen Vertrauens der Gemeinschaftsleute erfreute, hatte er ein gutes Verhältnis. Die Spannung in der Gemeinde nahm freilich ständig zu und griff in persönliche Bereiche über. So entschloss sich Spieker, Waldbröl in Richtung Dortmund zu verlassen.

Nach Pfarrer Spiekers Abschied im Juli 1910 blieb seine Stelle vier Monate frei. In dieser Zeit hat sie Pastor Wilhelm Goebel verwaltet. Im Oktober 1910 wurde nach harten Auseinandersetzungen der damals in Siegburg Dienst tuende Hilfsprediger Hans Trummel aus Elberfeld zum Pfarrer in Waldbröl gewählt.Hans Trummel 1910-1916 Die Wahl geschah zwar nicht einstimmig, aber mit erheblicher Stimmenmehrheit. Trotzdem fehlte der nun fast zur Gewohnheit gewordene Wahlprotest nicht. Er endete aber schon beim Synodalausschuss. Als er sein Amt angetreten hatte, blieb Pastor Goebel noch in der Gemeinde tätig, bis er eine eigene Pfarrstelle übernehmen konnte. 

Die freie Hilfspredigerstelle trat Pastor Meiswinkel an, der bisher in Wuppertal-Barmen tätig gewesen war. Auch die Seelsorge an der Heil- und Pflegeanstalt wurde ihm übertragen. Als die zweite Pfarrstelle genehmigt war, wurde er einstimmig zum Pfarrer gewählt und am 21. August 1912 eingeführt. In den Jahren 1912/13 wurde an der Oststraße das neue zweite Pfarrhaus errichtet, ein verschiefertes Fachwerkhaus in schönem bergischen Stil. Otto Meiswinkel 1911-1952

Beide Pfarrer waren der Gemeinschaftsbewegung zugetan. Mittlerweile war das Bild der Gemeinde immer mehr durch die Gemeinschaftsbewegung geprägt. Stützpunkte für den Dienst in den Gemeinschaften waren Vereinshäuser und zahlreiche Bauernhöfe. Zu dem Vereinshaus Am Markt 1872 und dem in Thierseifen (1879), kamen Bladersbach (1904), Lützingen (1905), das Ev. Gemeindehaus in Helten (1930) und zuletzt auch in Hermesdorf und Rossenbach (1965) hinzu. Manche der Vereinshäuser sind heutzutage abgerissen und wieder neu gebaut oder komplett saniert,  aus- und angebaut worden.

 Häuser

Mit ganz geringen Ausnahmen hielten sich die Glieder der Gemeinschaften zur Kirche und besuchten zugleich ihre eigenen Stunden am Sonntagnachmittag oder an einem Abend der Woche. Auch die von den Pfarrern auf den Höfen eingerichteten Bibelstunden erfreuten sich regen Zuspruchs. Die Jahresfeste der Vereinshäuser, gleich wo sie gehalten wurden, waren oft Angelegenheiten der ganzen Gemeinde. Auf ihnen dienten und dienen Pfarrer, Prediger und schlichte Laien mit Wort und Gebet,  und Sing- und Posaunenchöre bereichern bis heute die Feste.

Es folgte eine Zeit, in  der es war zwar keine Erweckung im Großen, aber ein Erwachen und Fragen über die Gemeinde kam. Die Wirkungen waren bald überall sichtbar.
Der Männer- und Jünglingsverein bekam starken Zuwachs und zog in einen Saal des Gemeindehauses. Der Kindergottesdienst versammelte in der großen Kirche so viele Kinder, dass sie in Altersstufen eingeteilt werden mussten. Frau Meiswinkel führte die Frauenhilfe, Frau Trummel den Jungmädchenkreis.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, waren in den ersten Monaten die Kriegsgebetsstunden im Ort und in den Außenbezirken zahlreich besucht. Bald aber ebbten die Besuche der Kriegsgebetsstunden ab. Das machte Sorge. Diese Sorge wurde verstärkt, als auswärtige Evangelisten in einzelnen Außenbezirken ohne Verständigung mit den Pfarrern und dem Presbyterium eine nicht unbedenkliche Arbeit begannen. Mit ungesunder Treiberei, zumeist "seelisch" gerichteter Verkündigung, wurde hier und dort Unruhe und Verwirrung in weite Kreise getragen. Versuche der Pfarrer die Irregeleiteten zur Besonnenheit zurückzuführen, hatten nur geringen Erfolg.

Pfarrer Trummel, der sich viel um ein Vertrauensverhältnis zwischen Gemeinde und Gemeinschaft bemüht hatte, war besonders enttäuscht. Er wechselte in eine Pfarrstelle nach Vohwinkel. Die meisten haben seinen Weggang bedauert. Eine öffentliche Abschiedsfeier wurde nicht gehalten.

Es war nicht leicht, mitten im Kriege eine erledigte Pfarrstelle zu besetzen. Pastor Meiswinkel stand ein volles Jahr allein in der großen Gemeinde, nur selten von einem Vikar oder Hilfsprediger unterstützt. Nach vielen Probepredigten und mancherlei Schwierigkeiten konnte endlich eine Wahl angesetzt werden, bei der Pfarrer Friedrich Mockert, damals im Dienst der Gemeinde Vereinshaus Nord-Ost in Frankfurt a. M., gewählt wurde. Friedrich Mockert 1917 -1929Am Himmelfahrtstag 1917 wurde er eingeführt. Als Pfarrer Mockert nach Waldbröl kam, war er 51 Jahre, sein Amtsbruder 35 Jahre alt. Der Altersunterschied beeinträchtigte jedoch die Zusammenarbeit nicht. Beide Pfarrer standen positiv zur Gemeinschaftsbewegung. Dazu kannten sie die oberbergischen Menschen gut: Pfarrer Mockert hatte zehn Jahre in der Nachbargemeinde Nümbrecht Dienst getan und war auf der Waldbröler Kanzel und im Vereinshaus am Markt kein Fremdling. Pfarrer Meiswinkel stammte aus der Nachbargemeinde Rosbach an der Sieg. 
Der Krieg nahm um 1917 eine bedenkliche Wendung. Außer der miserablen Ernährungslage ging über ganz Deutschland eine schwere Grippewelle hin, die viele Todesopfer kostete, darunter auch Pastor Meiswinkels Frau.

Wenn im Kreis Waldbröl auch nicht Hungersnot umging, so musste doch dauernd in der Verkündigung, in Bibelstunden und bei Hausbesuchen die tätige Liebe zu den in den Städten darbenden Menschen wachgehalten werden. Die Kirchengemeinde mühte sich, unterernährte Stadtkinder, besonders aus dem Wuppertal, bei Familien im Dorf und auf den Höfen unterzubringen. 

Der Männer- und Jünglingsverein konnte trotz des Krieges seine Versammlungen durchhalten. Sein Leiter war viele Jahre hindurch Ferdinand Kesselmark, der vielen jungen Menschen den Weg zu Jesus Christus gezeigt hat.

Alle Vereine, auch der Jungfrauenverein und die Frauenhilfe haben sich um die Betreuung der Soldaten gekümmert und mancherlei Liebesgaben mit Schriften und Gemeindebriefen ins Feld geschickt. Mehr und mehr wurde dem hart geprüften Volke bewusst, wie schwer die Opfer waren, die der Krieg gefordert hatte, besonders die Blutopfer. Aus unserer Kirchengemeinde sind 189 Männer gefallen oder als vermisst gemeldet worden.

1918 wurde in Helzen eine zweite Schwesternstation errichtet, die 1930 nach Helten in das dort erbaute Gemeindehaus verlegt wurde. 

Dagegen wurde im Jahre 1920 die Heil- und Pflegeanstalt geschlossen. Der Auflösung folgten jahrelange und sehr schwierige Verhandlungen. Diese galten dem Bemühen, dem Anwesen, wenn es in andere Hände kommen sollte, den evangelischen Charakter zu erhalten. Auch die Existenz des evangelischen Krankenhauses im "Wäldchen" stand mit dem weiteren Schicksal der Anstalt auf dem Spiel.

In den ersten Jahren nach dem Krieg gab es mehrere Evangelisationen. Zur Betreuung der Jugend wurde Diakon Greiner berufen, der nach kurzem Dienst durch Diakon Wilhelm MelzerKüster Melzer ersetzt wurde, der von 1921-1955 in unserer Gemeinde Dienst tat. Ihm wurden nach und nach weitere gemeindliche Aufgaben übertragen. Er war Organist, Rendant, Verwalter unseres Gemeindehauses und Küster gewesen

Auf dem Friedhof ist 1922 für die Opfer des Krieges ein Ehrenmal errichtet worden. Seitdem sind hier bis zum heutigen Tag in der Frühe des Ostertages weit bekannte und überaus zahlreich besuchte Gemeindefeiern gehalten worden. Tradition ist dabei das Osterlied: "Auferstanden ist der Herr. .." geworden. Pfarrer Mockert hatte das Lied aus der Gemeinde Nümbrecht in unsere Gemeinde gebracht. 

1922 gelang es, zwei Glocken bei der Glockengießerei Rincker in Sinn gießen zu lassen. 

Im Jahre 1925 waren die Verhandlungen über die Abwicklung der Heilanstalt und um die Zukunft unseres Krankenhauses zu einem einigermaßen günstigen Ergebnis gekommen, die Gemeinde stand jedoch an der Grenze ihrer finanziellen Kraft. Die dauernden Aufwendungen hatten schließlich die Bewilligungsfreudigkeit des Presbyteriums nahezu auf den Nullpunkt herabgedrückt und das sonst gute Verhältnis zu Pfarrer Mockert etwas getrübt, weil seine sehr große Baulust Unwillen erregte. Immerhin konnte Pfarrer Mockert noch während seiner Dienstzeit in Waldbröl den ersGemeindehausten Ausbau des Gemeindehauses erleben (1927).

Das alte Haus aus dem Jahre 1905 wurde aufgestockt und der Kindergarten ausgebaut. Durch die Schaffung geräumiger Wohnungen im Obergeschoß wurde dem Diakon und den Gemeindeschwestern das Leben erleichtert. Wenn es um den Dienst der Schwestern ging, war das Presbyterium ohnehin stets gern zur Hilfe bereit. Viele junge Mädchen aus unserer Gemeinde entschlossen sich, den Beruf einer Diakonisse zu wählen.

Pfarrer Mockert entschloss sich 1929, um seine Pensionierung einzukommen. Er zog in den tätigen Ruhestand nach Düsseldorf.

Bald nach Pfarrer Mockerts Abschied wurde Pastor Kuno Kruse, vorher in Bockenem/Harz, zum Pfarrer in Waldbröl gewählt und am 29. September 1929 von Superintendent von Oettingen eingeführt. Kuno Kruse 1929-1938Zunächst ging das Leben in der Gemeinde seinen gewohnten Gang. Leider wurden aber 1931/32 einige Außenbezirke, wie schon einmal vor fünfzehn Jahren, wieder von bedenklichen Unruhen heimgesucht.
Wie damals waren diese Unruhen die Folge ungesunder, fast schwärmerischer Evangelisationen eines auswärtigen Predigers. Das Presbyterium rief daher Pastor Hans Dannenbaum, Direktor in der Berliner Stadtmission, zweimal zu einer mehrtägigen Evangeliumsverkündigung. Die Folge war, dass alle schwärmerischen Bestrebungen in den bedrohten Bezirken wiederum nücKindergartengruppe bei Pastor Meiswinkelhterner, biblischer Klarheit weichen mussten. 

Am 16. November 1930 konnte Pastor Kruse in Helten, das schon von Pastor Mockert geplante Gemeindehaus seiner Bestimmung übergeben.

 

 

 

 

 

 


Mit der nationalsozialistischen Revolution und der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 beginnt auch in unserer Gemeinde ein besonderes Kapitel.  Im Sommer 1934 lehnte das Waldbröler Presbyterium den vom nationalsozialistischen Reichsbischof vorgelegten Entwurf einer Kirchennotordnung ab. In Waldbröl bildet sich eine bekennende Gemeinde, der beide Pfarrer beitraten. Im Herbst 1934, nach der Bekenntnissynode von Berlin-Dahlem beschloss das Presbyterium offiziell den Beitritt der Gemeinde zur Bekennenden Kirche.

Zur Aufklärung der Gemeinde über die wahre Lage beauftragte es 1935 Daniel Schäfer Daniel Schäfermit einer Evangelisation, die sehr stark besucht war. Das Gesamtthema hieß: "Es gilt ein offenes Bekenntnis zu Jesus Christus, dem einzigen Herrn der Kirche".  

Große Erregung rief 1936 in der Gemeinde die Verhaftung von Pfarrer Kruse hervor, der in einer Sitzung des Presbyteriums in klarer, wenn auch scharfer Weise gegen die " verlogene Dialektik der Partei und des Staates" Stellung genommen hatte und bei der folgenden Vernehmung durch den Ortsgruppenleiter der NSDAP nichts davon zurückzunehmen bereit war. Er wurde zu neun Wochen Gefängnis verurteilt, die durch die vorhergehende Untersuchungshaft bereits verbüßt waren. 1938 hat Pfarrer Kruse dann die Gemeinde Waldbröl verlassen und ist einem Ruf in die Leitung des Adelbert-Diakonissen-Mutterhauses Kraschnitz in Schlesien gefolgt.

Zu seiner Vertretung wurde am 21. April 1938 von der Leitung der Bekennenden Kirche Hilfsprediger Hermann Günther aus Düsseldorf geschickt. Pastor Günther wurde bei einem Verhör durch die Geheime Staatspolizei die Auflage gemacht, keine Bibelstunden mehr in Privathäusern zu halten, von dieser Auflage aber keinem etwas zu erzählen. Um seines Ordinationsgelübdes willen wies er dies Ansinnen freilich zurückweisen. Es stand damals fast alles unter Aufsicht: Predigt, Unterricht, Bibelstunden, Kindergärten, Jugendarbeit sowie vieles andere, und an Denunziationen hat es nicht gefehlt. Die kirchliche Arbeit konnte trotzdem und mit Hilfe mancher kirchlich gesinnten Beamten leidlich durchgehalten werden konnte. Da Pastor Günther wegen seiner Einstellung im Kirchenkampf zusammen mit vielen anderen vom damaligen Kirchenregiment aus der Liste der Pfarramtskandidaten gestrichen war, wurde seine Wahl zum Pfarrer der Gemeinde (Oktober 1939) zunächst nicht durch das Konsistorium bestätigt. Die Bestätigung erfolgte erst, als das  Ende des Krieges abzusehen war.Herrmann Günther 1938-1969 Am 12. September 1943 wurde er während eines Fronturlaubes - seit April 1940 war er zum Militärdienst eingezogen und stand als Offizier im Felde - durch seinen Amtsbruder Pastor Meiswinkel eingeführt, der damals gleichzeitig Superintendent der Aggersynode war. Erst im September 1945 kehrte Pastor Günther aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in die Gemeinde zurück.

Ein besonderes Waldbröler Kapitel ist der geplante Bau einer sogenannten Adolf-Hitler-Schule gewesen, in den unsere Kirche verwickelt war. Wer heute auf der Höhe zwischen Wilhelmstal und der Löher Siedlung spazieren geht, sieht noch immer die lange hohe Mauer und durch große Erdbewegungen entstandenes Ödland.

Hier sollte eine der großen Schulungsstätten der NSDAP geschaffen werden. Dazu brauchte man viel Land, besonders aus dem Besitz der Evangelischen Kirchengemeinde. Obwohl das Presbyterium sich gegen einen Landverkauf wehrte, wurde mit der Abholzung von Kirchenwald und mit dem Bau einer Zufahrtsstraße unter Benutzung eines Teiles des oberen Pfarrgrundstückes begonnen. Für das Presbyterium versuchte Kirchmeister Eduard Reitmeister dreieinhalb Jahre lang vergeblich, sich gegen den Zwangsaufkauf zu wehren. Dieser Tatsache ist es zu danken, dass nach dem Kriege, wenn auch nach langen und schwierigen Verhandlungen, die Rückgabe des Geländes erfolgte.Hitlermauer

Während der Jahre 1940 -1945 hat Pastor Meiswinkel die große Gemeinde im wesentlichen allein betreut. Oft mußte er die Todesnachricht über gefallene Söhne, Männer oder Väter in die Häuser bringen. Die Bedrohung durch feindliche Flieger nahm zu. Im Luftschutzkeller von Eduard Reitmeister fanden in dieser Zeit monatelang täglich Gebetsstunden statt. Auch der kirchliche Unterricht wurde dorthin verlegt.

Seit dem 28. März 1945 lag Waldbröl mehrfach unter Artilleriebeschuss. Auch die Kirche wurde so beschädigt, dass der Gottesdienst mehrere Wochen lang in der katholischen Kirche stattfand, die dankenswerterweise dazu überlassen wurde. Auch an anderen kirchlichen Gebäuden entstand Schaden. Bei den Kämpfen gab es eine ganze Reihe Tote unter Soldaten und Einwohnern.

 


Am 8. April 1945 hatte amerikanische Vorhut das Rathaus besetzt. Später folgte englische, zuletzt belgische Besatzung. Die Geschehnisse dieser Monate unterschieden sich im allgemeinen nur wenig von dem, was sich auch sonst im Land ereignete: Ausgehsperre, Beschlagnahme von Häusern, zum Teil auch Plünderung und anderes mehr. Als die Ausgehsperre gemildert und im beschränkten Maße auch die Versammlungsfreiheit wiederhergestellt war, kam das Gemeindeleben langsam wieder in Gang. Die Gemeindechronik berichtet von vielen Versammlungen, die zumeist im Zeichen der Allianz standen, wie überhaupt der Krieg die verschiedenen in Waldbröl nebeneinander bestehenden kirchlichen und freikirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften näher zueinander geführt hatte. Eine gute Zusammenarbeit blieb auch in der Folgezeit erhalten. Die Allianzgebetswochen und der Gottesdienst im Grünen am ersten Sonntag im August im Königsbornpark  sind dafür heute die markantesten Zeichen.

Im September konnte unter großer Beteiligung bereits wieder das übliche Missionsfest gefeiert werden. Auch das Reformationsfest 1945 war sehr stark besucht. Bei der Christmette 1945 konnte die Kirche die Menschen nicht mehr fassen. Mittlerweile war das Presbyterium auf Verfügung der provisorischen Kirchenleitung neu gebildet worden, da richtige Wahlen in der NS-Zeit nicht möglich waren. Später wurde das bis dahin aus 14 Mitgliedern bestehende Presbyterium auf 18 Glieder erhöht, weil möglichst viele Außenbezirke im Presbyterium vertreten sein sollten. Bei der Neuwahl im Jahre 1956 wurde erstmalig von der Gemeinde auch eine Frau berufen.

Vom Jahre 1946 an wurden, zum Teil von der Synode, vor allem aber auch von der Gemeinde selbst eine ganze Reihe von Jugendfreizeiten mit  großer Beteiligung durchgeführt. 

Trotz der oft schwierigen Lebensmittelversorgung in der Zeit vor der Währungsreform konnten bis zu 150 Jungen oder Mädchen an den Zeltlagern - zum Beispiel in Herchen/Sieg, in Helmeroth und Rüggeberg - teilnehmen. Erich Kesselmark Mit der Jugendarbeit dieser Zeit sind besonders die Namen der Diakonisse Luise Augustin und des Leiters der Jungschar und des CVJM Erich Kesselmark verknüpft. 

Auch die volksmissionarische Arbeit konnte wieder aufgenommen werden. Jährlich fanden mehrere Evangelisationen in Waldbröl und den Außenbezirken statt.

Die 1894 -1898 erbaute Heil- und Pflegeanstalt hatte bei wechselnden Besitzverhältnissen ihren evangelischen Charakter bewahrt, bis 1937 ihr Verkauf an die DAF erzwungen wurde. Die Rückgabe an die Innere Mission nach dem Kriege scheiterte daran, dass von dieser nicht das nötige Kapital aufgebracht werden konnte, um die vom Oberbergischen Kreis inzwischen in das Haus investierten Gelder abzulösen. Der Kreis besaß ohnehin schon die Hälfte der Geschäftsanteile. So ist aus der ehemaligen Anstalt der Inneren Mission das heutige Kreiskrankenhaus Waldbröl entstanden.

Im Herbst 1952 entschloss sich das Presbyterium zu einer grundlegenden Erneuerung des Inneren unserer Kirche, die Anfang 1953 unter Leitung von Kirchenmaler Schönhagen durchgeführt wurde. Abgesehen von der Beseitigung einiger bedrohlicher Schäden an der Kirchendecke wurde dabei auch dem Kircheninneren ein neues Gesicht gegeben.Erneuerung des Inneren der Kirche

Pastor Günther sagte in seiner Predigt beim ersten Gottesdienst in der erneuerten Kirche am 15. März 1953, durch den veränderten Standort der Kanzel komme sinnfällig zum Ausdruck, dass nicht der Prediger, sondern die Botschaft vom Kreuz Mittelpunkt des evangelischen Gottesdienstes sei. Inzwischen war Pastor Meiswinkel nach 41jährigem aktiven Dienst am 31. Dezember 1952 in den Ruhestand versetzt worden

An seine Stelle trat Pastor Heinz Geldermann, der zuletzt an der Diakonissenanstalt Kaiserswerth tätig gewesen war. Er wurde am 22. Juni 1953 von Superintendent Fach eingeführt.Pfarrer Geldermann

Waldbröl war inzwischen so gewachsen, dass ihm die Stadtrechte verliehen wurden. Seit 1939 war die Einwohnerzahl um rund fünfzig Prozent gestiegen. Viele Menschen, die ihre alte Heimat im Osten hatten aufgeben müssen kamen, um hier eine neue Heimat zu finden. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug damals nahezu zwanzig Prozent. Auch unsere Kirchengemeinde war inzwischen in Waldbröl und in fast 70 umliegenden Höfen auf über 8000 Gemeindeglieder angewachsen. Deshalb beschloss das Presbyterium im Jahre 1954, die Errichtung einer dritten Pfarrstelle zu beantragen. Diesem Antrag wurde von der Kirchenleitung, unter anderem auch im Blick auf die seelsorgerliche Betreuung des großen Krankenhauses mit angeschlossenem Altersheim und Kinderheim und auf die Entwicklung des Waldbröler Schulwesens stattgegeben.

In die dritte Pfarrstelle wurde am 6. November 1955 Pastor Ulrich Sticherling Ulrich Sticherling 1955-1985eingeführt, nachdem er bereits 1952/53 als Lehrvikar bei Pastor Günther in Waldbröl gewesen war. Im Frühjahr 1959 konnte auch für die dritte Pfarrstelle ein in der Nähe des Krankenhauses liegendes Gebäude als Pfarrhaus erworben werden.

Im Jahre 1953 hatte die Kreissynode schon eine hauptamtliche Vikarinnenstelle für den Religionsunterricht an den Waldbröler Schulen (Hollenberg-Gymnasium, Kreisberufsschule und Handelsschule) errichtet, die durch Vikarin Anneliese Neumärker besetzt war.

In den Jahren nach 1953 erlitt die durch den CVJM wahrgenommene männliche Jugendarbeit einen schweren Rückschlag. Der CVJM hatte an der Kirchenhecke unter großem und erheblichem Arbeitseinsatz einen sehr schönen Sportplatz angelegt, und zwar auf ehemaligem Gelände der sogenannten Deutschen Arbeitsfront (DAF). Früheren Zusicherungen entgegen wurde dieses Gelände, als ein Verkauf in Betracht kam, vom Land Nordrhein-Westfalen nicht dem CVJM Waldbröl, sondern einem Düsseldorfer Schullandheim veräußert. 

Durch diesen Verlust ausgelöst,Gemeindehaus Wiedenhof nahm der schon länger gehegte Gedanke eines Jugendheimbaues festere Formen an. Nach gründlicher Vorbereitung durch das Presbyterium wurde im April 1957 mit dem Bau neben dem bisherigen Gemeindehaus begonnen. Die Bereitstellung öffentlicher Zuschüsse half wesentlich zur Vollendung des Baues. Am 26. Januar 1958 erfolgte die Schlüsselübergabe. Im Zuge dieser Neugestaltung war schon im vorhergehenden Jahre der Kindergarten erheblich vergrößert und von Grund auf erneuert worden.

Nachdem 1953 oberhalb der Bitze ein neuer Kommunalfriedhof entstanden war, wurden die beiden alten, fast vollbelegten Friedhöfe am Wiedenhof der Stadt übereignet, die eine Parkanlage daraus gestaltete.Alter WiedenhoffriedhofAlter Wiedenhoffriedhof

 

 

 

 

 

 

Diakonissenarbeit,  Diakonie und Mission in unserer GemeindeNicht unerwähnt bleiben darf der gesegnete Dienst unserer Gemeindeschwestern. Nachdem bei Errichtung der ersten Krankenpflegestation im Jahre 1907 Schwestern aus dem Mutterhaus Salem in Berlin-Lichtenrade den Dienst übernommen hatten, wurden diese im Jahre 1922 von Schwestern aus dem Mutterhaus Hebron in Marburg/Lahn Wehrda abgelöst. Die Zahl der Schwestern stieg nach dem Kriege auf zeitweise acht Diakonissen, von denen vier in den Gemeindekrankenpflegestationen Waldbröl, Helten und Rossenbach, zwei in den Kindergärten Waldbröl und Rossenbach und je eine in der Jugendarbeit und in der Flüchtlingsbetreuung tätig waren. Diese hohe Zahl von Schwesternstellen konnte auf Dauer nicht durchgehalten werden. Doch war erfreulich, dass ein großer Kreis von Gemeindegliedern mit regelmäßigen Beiträgen die Diakoniearbeit mittragen half.

1958 nahm das Blaue Kreuz seine Arbeit in Waldbröl an Alkoholikern auf.

Im Jahre 1955 bildete sich ein Missionskreis unter Federführung von Günther Holzhauer. 1956 erging an den damaligen Waldbröler Vikar und späteren Pastor Dr. Töpperwien der Ruf von der Rheinischen Missionsgesellschaft, auf der Insel Nias die Leitung einer Predigerschule für Eingeborene zu übernehmen. Der Missionskreis sah es als Aufgabe der Gemeinde an, hinter ihm und seiner Arbeit zu stehen und ihn als Patenmissionar der Gemeinde Waldbröl in das Missionsfeld zu entsenden. In einem denkwürdigen Gottesdienst am 23. Februar 1958 in der Waldbröler Kirche nahm Missionsdirektor de Kleine im Auftrage der Rheinischen Mission die Aussendung vor. Im April 1958 konnten einige Glieder unserer Gemeinde Pastor Töpperwien und seine Familie in Amsterdam auf das Schiff begleiten, das ihn nach Indonesien bringen sollte.  Dank des Engagements der Frauenkreise Wurde am 1. November 1962 im Waldbröler Gemeindehaus ein Missionsbasar durchgeführt. Sein finanzieller Erlös - damals 7000,- DM - kam der Missionsarbeit zu Gute. Von da an wurde der „Miba" am 1. November zur heißgeliebten Tradition und zum Markenzeichen der Gemeinde. Sehr zur Freude der Missionsgesellschaft; denn die ihr regelmäßig zugedachten finanziellen Gewinne des Miba haben sich inzwischen um rund 750 % auf über 50.000,- DM erhöht. Zu der Missionsstation in Irian Jaja (Indonesien) bestehen auch persönliche Kontakte, wobei engagierte Gemeindeglieder zu diesem Zweck auch die weite Reise nicht scheuen .

Neue GlockenAn der Jahreswende 1958 konnte das Jubiläumsjahr mit vier neuen Glocken eingeläutet werden, nachdem auch im zweiten genau wie im ersten Weltkrieg - das Geläut dem Krieg zum Opfer gefallen war. Die Glocken sind nach den vier Evangelisten benannt. Ihr Klang soll uns die Botschaft ihrer Inschriften ins Gedächtnis rufen und ins Herz prägen: DER MENSCH LEBT NICHT VOM BROT ALLEIN, SONDERN VON EINEM JEGLICHEN WORT, DAS DURCH DEN MUND GOTTES GEHT. (Matth.4,4 Matthäusglocke) HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN, MEINE WORTE ABER WERDEN NICHT VERGEHEN. (Mark. 13, 31 Markusglocke) SELIG SIND DIE DAS WORT GOTTES HÖREN UND BEWAHREN. (Lk. 11, 28 Lukasglocke) DAS WORT WARD FLEISCH UND WOHNTE UNTER UNS. (Joh. 1, 14 Johannesglocke)

 


Im selben Jahre 1958 begann im Bereich des 3. Pfarrbezirks der Bau eines, großen Durchgangslagers für Flüchtlinge. Haus für AlleZu deren Betreuung beschloß unsere Kirchengemeinde im Zusammenwirken mit dem „Heimatlosen-Lagerdienst" des CVJM den Bau eines "Haus für alle". Es wurde 1961 fertig gestellt. 

Infolge der 1962 errichteten "Berliner Mauer" und des dicht geschlossenen "Eisernen Vorhangs" gelang es in der Folgezeit nur noch wenigen Menschen, den Segnungen des "Arbeiter und „Bauern"-Staates zu entrinnen. Fortan trafen bei uns in zunehmendem Maße Rücksiedler aus Polen und anderen Ostblockländern ein.

Während des Baus des Haus für Alle lösten sich  1960 ein Stück aus der Kirchendecke. Die Renovierungsarbeiten dauerten fast zwei Jahre.

Am 15. Juli 1962 wird Pastor Fritz Dorlaß Fritz Dorlaß 1962-1997in die zweite Pfarrstelle eingeführt. Damit übernahm er die Pfarrstelle von Pastor Geldermann, der nach Mühlheim wechselte. 

Für den Religionsunterricht an Waldbröler Schulen bestand von 1962-69 eine Schulpfarrstelle mit durch Ortspfarrer erteilten Religionsunterricht. 

Aufgrund der immer größer werdenden Gemeinde und den damit steigenden verwaltungstechnischen Aufgaben, wurde 1967 das Gemeindeamt gegründet. Die vorherige Lösung, nach der der jeweilige Küster mit den anfallenden Verwaltungsaufgaben betraut war, hatte sich nicht als gut erwiesen. Ende der 80er Jahre wurde unser Gemeindeamt der zentralen Verwaltung des Kirchenkreises angeschlossen. Teile der bei uns anfallenden Arbeit werden nun vom Verwaltungsamt ausgeführt.

Anfang 1969 erschien - zunächst monatlich - unser Gemeindebrief. Logo GemeindebriefIn seinem Jubiläumsjahr 1994 betrug die Auflagenhöhe- bei jährlich vier Ausgaben - 4750 Exemplare für unsere 8791 Gemeindeglieder. Das Gemeindeamt organisiert den Vertrieb unseres Blattes.

Ab 1970 nahm Pfarrer Dorlaß Aufgaben der Militärseelsorge bei der Waldbröler Garnison und später der Polizeiseelsorge wahr. Um die Krankenhausseelsorge kümmerte sich im Auftrag des Kirchenkreises von 1972 an ein pensionierter Pfarrer, dem 1985 Gisela Hundhausen als Seelsorgerin folgte.

Neben verschiedenem anderen, wurden die ökumenischen Beziehungen ein wichtiges Anliegen. Am Anfang eines auch nach außen hin erkennbaren kirchlichen Miteinanders in Waldbröl stand ein ökumenischer Jugendgottesdienst. Er fand in den 60 er Jahren - umrahmt von den langen Gesichtern traditioneller Bedenkensträger - auf "neutralem Boden" in der Kapelle des Kreiskrankenhauses statt. Und es war schwierig, dafür "grünes Licht" zu bekommen. Immerhin hatte sich damit in Waldbröl der Zug der Ökumene in Bewegung gesetzt. Es dauerte auch noch eine ganze Zeit, bis er richtig in Fahrt kam. Aber die Station, auf der die eine Seite sich freute, wenn es der anderen in die Prozession regnete, hatten wir glücklich hinter uns.

1971 kam Pastor Wirths E.H-. Wirths 1971-1979der die vakanten Pfarrstelle von Pastor Günther einnahm.   

In den 70er Jahren ging es mit der Ökumene positiv bergauf. Ökumenische Erbauungen förderten das kirchliche Miteinander ebenso wie die interkonfessionelle Gestaltung des Weltgebetstages der Frauen
1976 wurden bereits gemeinsame Veranstaltungen der beiden Kirchengemeinden vor Ort durchgeführt. Neben den schon seit den 60er Jahren bestehenden Gesprächskreis katholischer und evangelischer Theologen - hier war auch der Plan zu dem erwähnten ökumenischen Jugendgottesdienst entstanden - trat nun ein allgemeiner ökumenischer Gesprächskreis, der sich regelmäßig während des Winterhalbjahres traf. 

Die 70er Jahre und der Beginn der 80er waren auch die Zeit einer regen Bautätigkeit innerhalb unserer Gemeinde. Nachdem 1970 das Pfarrhaus für den 1. Bezirk in der Oststr. 9 fertiggestellt wurde, folgt 1973 das Schwesternhaus, in dem heute das Gemeindeamt und zwei Wohnungen für unseren Kantor und den Jugendmitarbeiter sind. 1975 folgte die Einweihung des neuen Anbaus am Evangelischen Vereinshaus Thierseifen, gefolgt von der drei Monate späteren Einweihung des neuen CVJM-Vereinshauses in Bladersbach. Bei den Vereinshäusern leistete die Kirchengemeinde unterstützende Hilfestellung, bei ansonsten selbständiger Planung und Durchführung der Arbeit. 

1978 wurde das Pfarrhaus für den neugegründeten 4. Bezirk erstellt. Ein Jahr später  konnte auch die Erweiterung im "Haus für Alle" in Betrieb genommen werden für die Beratungsstelle. Neues Gemeindehaus

1979 folgte der Neubau des Kindergartens zuerst für zwei Gruppen, gefolgt von der Fertigstellung des Küsterwohnhauses, gegenüber unseres neuen Gemeindehauses, das im Juli 1981 eingeweiht werden konnte. Ein schönes und funktional bewährtes Haus am Wiedenhof entstand, was vielen Gruppen Heimat bietet. 

Über die Jahre hinweg war in der Nähe des Durchgangswohnheims eine Siedlung entstanden, in der vorwiegend bisher nicht Ortsansässige wohnten. Die kirchliche Betreuung von Wohnheim und Siedlung gestaltete sich schwierig. Deshalb wurde 1978 - im wesentlichen dieses Gebiet umfassend - eine 4. Pfarrstelle eingerichtet. Erster Inhaber dieser Pfarrstelle wurde Horst Ostermann.Horst Ostermann 1978-2001 Sie vereint zwei unterschiedliche Aufgabenbereiche. Denn neben die Arbeit in dem neu entstandenen Pfarrbezirk trat als zweite Aufgabe die theologische Leitung und psychologische Mitarbeit in der unter der Trägerschaft des Kirchenkreises stehenden "Beratungsstelle für Erziehungs- und Lebensfragen". Diese hat ihren Sitz im baulich erweitertem " Haus für alle".
Im Laufe der Zeit wurde das Durchgangswohnheim zur Anlaufstelle für Spätaussiedler vorwiegend aus den östlichen Bereichen der damaligen Sowjetunion. Wegen "vorbildlicher Integration der Spätaussiedler " wurde die evangelische Kirchengemeinde Waldbröl 1994 gemeinsam mit 14 anderen Waldbröler Institutionen seitens der Bundesregierung mit einer Goldplakette und dazugehöriger Urkunde bedacht.

1979 verließ uns Pastor Wirths und nahm eine Stelle in Remscheidt - Lüttringhausen an. Im folgte im Jahre 1980 Helmuth Gutowski, Hellmuth Gutowski 1980-1998der aus der CVJM-Arbeit in Wuppertal kam.


 

 

 

 

 

 


Unsere Chorarbeit
KirchenmusikDie kirchenmusikalische Arbeit bekam mit der Anstellung unseres hauptamtlichen Kantors Martin Kotthaus 1979 und mit dem Bau der schönen neuen Orgel 1984 ganz anderes Gewicht. Die Kantorei konnte sich an größere Werke wagen.

Die Chorarbeit an unserer Kirche trieb ungeahnten Höhen entgegen. Beim hundertjährigen Jubiläum des Waldbröler Kirchenchores (1994) präsentierte die Kantorei ein köstliches Büffet musikalischer Delikatessen. Das Lob der Kirchenmusik schließt auch die gute Arbeit der vielen anderen Chöre und Instrumentalgruppen in unserer Gemeinde mit ein. Sie sind Träger jahrzehntelanger Traditionen.

 

Ökumenische Streiflichter
Während die Kirchenmusik zu blühen begann, entwickelt sich auch in der Waldbröler Ökumene eine kleine Pflanze zu einem großen Baum. 1981 fand während der Waldbröler 850-Jahr-Feier in unserer Kirche ein ökumenischer Festgottesdienst statt.
Von da an hielten der katholische Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand und unser Presbyterium gelegentlich gemeinsame Sitzungen ab. 1987 tagten auch der Leitungskreis der Freien evangelischen Gemeinde und das Presbyterium erstmalig gemeinsam. Schließlich kamen 1992 die Leitungskreise aller drei Gemeinden zum ersten Mal zu einer Sitzung zusammen. Gemeinsames Handeln der drei Gemeinden und ihrer Glieder verlor allmählich immer mehr den Charakter des Außergewöhnlichen.

Die Aktion "neu anfangen", deren erste Phase 1992 anlief, kam im folgenden Jahr zur vollen Entfaltung. 280 Glieder der drei genannten Gemeinden führten Tausende von Telefongespräche, um das  von ihnen herausgegebene Aktionsbuch zu „neu anfangen" den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt kostenlos anzubieten. Anschließend wurden 4000 Exemplare dieses Buches ausgehändigt. Nach einer zweiten Anrufwelle bildeten sich über 50 Gesprächskreise, in denen im Buch angesprochene Themen behandelt wurden.

miteinanderneu anfangenEine Fortsetzung dieser Aktion mit anderen Mitteln fand im Jahr 2000 in der Woche „miteinander" statt.

 

 

 

 

 

Pfarrstellenwechsel und Ende der 80 jährigen Ära der Diakonissen.

Nach 30 Dienstjahren in unserer Gemeinde trat Pastor Sticherling 1985 in den Ruhestand. Pastor Sticherling hat die Gemeinde stark geprägt. Für ihn kam Pastor Dr. Ullrich Wimmer. Er konnte schnell die Herzen der Menschen gewinnen und fügte sich gut in das Viergespann der Waldbröler Pfarrer ein. Dr. Wimmer 1985-1993

Nach Vorbesprechungen im Jahr 1985 wurden unsere Schwesternstationen in die neu etablierte Diakonie-Sozialstation einbezogen. 1988 verließen die letzten Diakonissen unsere Gemeinde.  Damit ging bei uns eine rund achtzigjährige Tradition der Mutterhaus-Diakonie zu Ende. Die bisherige Arbeit der Schwestern wurde nun ganz von freien Kräften übernommen. Schon vorher hatte unser bewährtes Kindergartenteam den Dienst der dortigen Schwestern weitergeführt.Letzte Diakonissen in Wbr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Gesichter unter den Waldbröler Pfarrern, Jubiläen und andere Nachrichten

Im Januar 1993 verließ uns Pastor Wimmer, der eine Aufgabe als theologischer Referent bei der Landeskirche übernahm. Für ihn kam im September Pastor Jochen Gran, der sich stark für die sozialen  Belange unser Kirchengemeinde einsetzt. Jochen Gran 1993
So hat er dafür gesorgt, dass sich unsere Gemeinde in der Obdachlosen und Aussiedlerarbeit verstärkt engagiert. Zuerst über den Kontaktpunkt Merkurhaus und dann über den Verein Miteinander-unter-dem-Regenbogen, der mit veränderter Konzeption das erste Projekt fortführt.
Eine andere wichtige Aufgabe ist durch die Arbeit des Möbellagers entstanden. Langzeitarbeitslosen Jugendlichen wird hier die Möglichkeit gegeben, sich wieder an Arbeitsprozesse zu gewöhnen und so eine Arbeitsstelle oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Beide Projekte sind nur zu gewährleisten, weil das Arbeitsamt bzw. das BVA und der Kirchenkreis finanziell diese Projekte unterstützen. 

 

 

 

 

Aus der ehemaligen Jugendbücherei entwickelte sich dank des Einsatzes und der Sachkenntnis der dort tätigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen eine leistungsstarke Gemeindebücherei, die 1993 ihr 25jähriges Bestehen feierte.Bücherei

Mittlerweile ist die Bücherei in das umgebaute Pfarrhaus des 2. Bezirks in das Erdgeschoß umgezogen. Dadurch konnten wir dem größer werdenden Platzbedarf gerecht werden. Die neuen Räume sind sehr freundlich, hell und ansprechend gestaltet. 
1998, zwei Jahre vor dem Umzug in die neuen Räume, fand anlässlich des 30jährigen Jubiläums in unserem Gemeindehaus eine Kinderbuchausstellung statt. Sie wies über 150 Exponate aus, deren älteste bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts zurückreichten. 

 

 Ein drittes wichtiges Ereignis im Jahr 1993 war die Feier zum 100jährigen Bestehen des CVJM in Waldbröl.CVJM CVJM Die Jugendarbeit in unserer Gemeinde wird seit Jahrzehnten von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt, was die Mithilfe von Pfarrern nicht ausschloss. Die Betreuung der männlichen Jugend lag aber weitgehend in der Kompetenz des CVJM. Die hochkarätigen Jubiläumsveranstaltungen durchzogen das ganze Jahr. Die Festschrift CVJM geht weit über den Rahmen einer Vereinsgeschichte hinaus. DerCVJM bei einem Ausflug im Jahre 1908, rechts stellvertretend für die vielen anderen heute existierenden CVJM-Gruppen die Jungenjungschar des CVJM-Waldbröl. Eine der Vielen.  

1994 wurde die 5. Pfarrstelle als "Ergänzungspfarrstelle" für den inzwischen zum Superintendenten gewählten Pastor Ostermann eingerichtet. 

Diese Pfarrstelle besetzte Pastor Schippel. Matthias Schippel 1994Er ist unser musikalischer Pfarrer. Nachdem Pastor Ostermann im Januar 2001 in Ruhestand getreten ist, wurde Pastor Schippel unter Wegfall der 5. Pfarrstelle in die 4. Pfarstelle gewählt.
Mit der Zunahme der Pfarrstellen vergrößerte sich auch die Mitgliederzahl des Presbyteriums zusehends. Bereits 1972 hatte die Weisheit der Kirchenleitung dem Presbyterium zu größerer Mannschaftsstärke verholfen. Nach Errichtung der 5. Pfarrstelle näherte sich die Zahl der Presbyteriumsmitglieder der von drei Fußballmannschaften.
Trotz den damit verbundenen Schwierigkeiten bewährt sich das Presbyterium in nicht zu unterschätzender Weise als „Leitungsorgan" der Gemeinde. Manche Schlüsselpositionen werden so von Presbytern besetzt. So ist z. B. Frau Conrad stellvertretende Vorsitzende. Dieter Schumacher ist Finanzkirchmeister, Wilfried Schmidt ist für die Gebäude zuständig und Jochen Windgassen für die Grundstücke der Kirchengemeinde. Nur wer den Umfang dieser Aufgabenbereiche kennt, ahnt, wie viel Arbeit damit verbunden ist.

Ein besonderes Ereignis der Ökumene ereignete sich in dem Dankgottesdienst am 7. Mai 1995 für 50 Jahre Frieden. Unsere katholischen Freunde stellten dabei einen Abdruck des sogenannten "Streitkreuzes" in unserer Kirche auf. Rund 300 Jahre zuvor gab es noch Tote, als Glieder der katholischen Gemeinde versuchten, das Original dieses Kreuzes unterhalb des damaligen Friedhofes zu errichten.

Im April 1997 tritt nach 35 Jahren als Pfarrer unserer Gemeinde Fritz Dorlaß in den Ruhestand. Damit ist er, der auch als Don Camillo Waldbröls bekannt wurde, einer der dienstältesten Pfarrer, die jemals in unserer Gemeinde waren. Unvergessen werden seine treffenden Bemerkungen und sein Einsatz für die Kirchengemeinde bleiben.

Die damit vakante Pfarrstelle des 2. Bezirks wurde mit Pastor Thomas Seibel Thomas Seibel 1995besetzt, der sich bereits seit 1995 als Pastor im Hilfsdienst bei uns bewährte. Da das Pfarrhaus in der Oststraße renoviert werden mußte, wohnt Pastor Seibel erst seit Juni 1998 in unserer Gemeinde. 

Das neue Pfarrerteam komplett macht Pastor Richard Stahl, Richard Stahl 1998der für den in Ruhestand gegangenen Helmuth Gutowski 1998 kam.

Predigten

Gottesdienste

Herrnhuter Losungen

Montag, 20. Januar 2020
Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht anrechnet und in dessen Sinn nichts Falsches ist.
Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus.