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Freitag, 21. September 2018
Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Der Weg der Evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl und ihrer katholischen Schwestergemeinde im Miteinander durch die Jahrhunderte.

Die Geschichte unserer evangelischen Gemeinde beginnt nicht erst zur Zeit Martin Luthers, sondern mit den ersten Christen, die unsere »buckelige Welt« besiedelt hatten. Wann das gewesen ist, weiß man nicht genau, wahrscheinlich aber war es nicht lange vor dem Jahr 1000.

Damals kamen über die Nutscheidstraße Mönche vom Bonner Cassius-Stift, um für die kirchliche Betreuung unserer Vorfahren zu sorgen. So entstanden kleine kirchliche Zellen, aus denen später die Kirchspiele wurden. Einem Konflikt der Bonner Mönche mit dem Siegburger Dekan um die Kirchensteuerfrage verdanken wir die erste urkundliche Erwähnung unserer Gemeinde im Jahr 1131. 

Andere Nachrichten gibt es aus dieser frühen Zeit kaum, dafür aber steinerne Zeugen: Der Turm unserer Kirche ist sicher 900 Jahre alt, ebenso der schöne Taufstein, den ein Steinmetz aus einem großen Brocken Siebengebirgstrachyt gemeißelt hat.  Taufstein

Wahrscheinlich trug die Kirche, damals den Namen des Erzengels Michael und es spricht manches dafür, dass ihm die heute noch im ersten Stockwerk unserer Kirche vorhandene Kapelle geweiht war. Es ist schön, dass die heutige katholische Pfarrkirche diesen Namen weiterführt.

Die nächsten Nachrichten stammen erst aus der Reformationszeit.  Die Hinwendung zum evangelischen Bekenntnis geschah bei uns wie anderorts auf obrigkeitliche Anordnung hin. 

Der erste evangelische Pfarrer hieß Johannes Scheve. Er war von 1562 bis 1585 in Waldbröl. Der zweite - Burkhard Hirsch - wurde aus letztlich politischen Gründen 1606 vom Windecker Amtmann vertrieben. Es gab in der folgenden Zeit mancherlei konfessionelle Auseinandersetzungen. Ihren Höhepunkt erreichten sie mit dem so genannten »Kreuztumult«.
  
Das trug sich damals folgendermaßen zu: Seit über einem halben Jahrhundert gab es in Waldbröl nur noch die evangelische Gemeinde. Da kam im Frühsommer 1703 ein junger Priester, der in bischöflichem Auftrag die alte Kirche besetzen wollte. Als er ein steinernes Kreuz auf dem Kirchhof zu errichten versuchte, kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen es Verletzte und unter den Evangelischen sogar Tote gab. Kreuz

Unsere Gemeinde wurde zu einer Strafzahlung von 3000 Reichstalern verurteilt, einer für die damalige Zeit sehr hohen Summe. Das Geld wurde zum Neubau der katholischen Kirche verwandt und wurde so ein - wenn auch unfreiwilliger - ökumenischer Beitrag. 

Niemand wird den bewegenden Gottesdienst 1996 vergessen, in dem wir miteinander aus dem »Streitkreuz« das »Waldbröler Friedenskreuz« werden ließen, von dem Abgüsse zum Zeichen unserer Gemeinsamkeit in den beiden Kirchen hängen. Das verwitterte Original steht jetzt in der Pfarrkirche St. Michael und ein weiterer Abguss davon wurde am früheren Ort des Originals in einer Kapellennische an der Kaiserstraße aufgestellt.
 
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts zeichnete sich mehr und mehr ein Ende des konfessionellen Streites ab. Dies war umso besser als 1837 unsere Gemeinde von einem Unglück betroffen wurde. Die Deckengewölbe stürzten ein und die Kirche musste bis auf den Turm abgerissen werden. Das Unglück führte aber zu einem ökumenischen Zeichen.
An einen Neubau konnten unsere Vorfahren so schnell nicht denken. Dazu waren sie zu arm. Da reiste der katholische Pfarrer zum bischöflichen Ordinariat nach Köln, um die Erlaubnis für die Mitbenutzung der katholischen Kirche durch die obdachlos gewordene evangelische Gemeinde zu erwirken. Seiner Bitte wurde stattgegeben.

Sechs Jahre später konnte der Neubau der Kirche unsere Gemeinde wenigstens provisorisch wieder zum Gottesdienst aufnehmen. 
Als Dank für die sechsjährige Mitbenutzung ihres Gotteshauses schenkten die evangelischen Christen der katholischen Schwestergemeinde einen vergoldeten Messkelch.Messkelch 
Als Kardinal Meißner vor über zehn Jahren zum ersten Mal nach Waldbröl kam, präsentierte ihm der damalige Pfarrer Manfred Melzer diesen Kelch mit dem Hinweis auf unser lebendiges ökumenisches Miteinander. 
Die nächsten ökumenischen Kontakte fanden nach dem zweiten Weltkrieg statt. Durch die jährlich gehaltenen Frauenweltgebetstagen gab es Beziehungen zur katholischen Frauenarbeit. Eine klangliche Gemeinschaft entstand durch den Umstand, dass in beiden Kirchen bis auf eine alle Glocken im Krieg beschlagnahmt worden. Als Ende der fünfziger Jahre neue Glocken beschafft werden konnten, passte bei uns die verbliebene Glocke nicht mehr ins neue Geläut, wohl aber ins katholische, und seitdem hängt sie dort im Turm.

Im Frühjahr 1960 stürzten in unserer Kirche Teile der Decke herab. Die Kirche musste daraufhin bis 1962 von Grund auf renoviert werden. Dabei wurde sie nach gottesdienstlichen Gesichtspunkten neu gestaltet. Etwa in der gleichen Zeit wurde auch die katholische Kirche völlig umgebaut. Dechant Wolter forderte bei der feierlichen Grundsteinlegung Pastor Meiswinkel und Pastor Sticherling auf, die im Grundstein eingelegte Urkunde mit zu unterschreiben.

Die Zeit wurde immer reifer für bewusste ökumenische Begegnungen. Mehr und mehr entwickelte sich das Bewusstsein, dass die Kirche Jesu Christi größer ist als eine einzelne Konfession. Aus dem freundlichen Gegenüber wurde immer öfter ein Miteinander. Unser Verhältnis zur Freien evangelischen Gemeinde wurde vor allem mit dem Dienstbeginn von Pastor Hans Christoph Bischoff immer aufgeschlossener. Zur katholischen Pfarrgemeinde wuchsen die Kontakte vor allem seit dem Amtsantritt des unvergesslichen Pastors Franz Stausberg.
Vor über 30 Jahren wurde dann der Theologischen Gesprächskreis begründet, der noch heute besteht. Pastor Stausbergs beiden Nachfolger, Manfred Melzer und Klaus Peter Jansen, haben den Einsatz auf dem Weg zu versöhnter Verschiedenheit aufgeschlossen fortgesetzt. Wie die Aktion »neu anfangen« 1993 , so hat die Aktion »miteinander« im Jahr 2000 und  2005 uns auf dem Weg zueinander weitergeholfen. Als Gemeinden sind wir für diesen Prozess wachsender Gemeinschaft des Glaubens in einer immer glaubensärmeren Zeit sehr dankbar.